Neue Studie zur Zwangsheirat vom Bundesfamilienministerium

Jeder hat das Recht zu wählen, ob und wen er oder sie heiraten möchte. Doch auch in Deutschland gibt es immer wieder Hochzeiten wider Willen. Das Bundesfamilienministerin legte nun eine Studie zum Thema „Zangsverheiratung in Deutschland“ bewertet Erkenntnisse von Beratungsstellen in Deutschland.

Die meisten Betroffenen sind sehr jung: Vier von zehn waren bei der Beratung zwischen 18 und 21 Jahren alt. Knapp ein Drittel der Betroffenen war sogar noch minderjährig. Viele Opfer haben zudem extreme Brutalität erlebt: Mehr als die Hälfte war bei der Zwangsverheiratung körperlicher Gewalt ausgesetzt. Jede dritte Betroffene wurde sogar mit dem Tode bedroht. In Deutschland sind meistens Frauen von Zwangsverheiratung betroffen. Der Anteil der männlichen Opfer machte in der Studie 6 Prozent aus. Auch unter Männern vermuten Experten jedoch eine hohe Zahl unfreiwilliger Ehegatten. Fast alle Betroffenen hatten einen Migrationshintergrund, allerdings waren die meisten in Deutschland geboren. 44 Prozent besaßen die deutsche Staatsbürgerschaft.

Die Studie kommt zum Ergebnis, dass es auf leicht erreichbare Hilfe ankommt. Die Opfer von (drohenden) Zwangsheiraten zögern oft, sich an eine Beratungsstelle zu wenden. Sie schweigen über die Täter, die fast immer aus ihrer eigenen Familie stammen. Angekündigt ist, bis Ende 2012 soll es ein bundesweites Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ einzurichten, bei dem rund um die Uhr in mehreren Sprachen Hilfe und Beratung angeboten wird.

Eine weitere Schlußfolgerung ist, dass das Thema Zwangsheirat in Schulen Unterichtsthema sein sollte Da viele Betroffene noch zur Schule gingen, müsse das Thema stärker in den Schulalltag integriert werden. In Deutschland drohen denen, die andere zur Heirat zwingen bis zu fünf Jahren Gefängis. Zukünftig sollen die Rechte der Opfer gestärkt werden: Betroffene, die zur Zwangsheirat ins Ausland verschleppt wurden, dürfen bis zu zehn Jahre lang problemlos nach Deutschland zurückkehren.