Handreichung „Gegenwind oder doch schon ein Sturm?“ zeigt Ausmaß organisierter Angriffe auf die Gleichstellungsarbeit
Verbale Attacken, interne Sabotage, digitale Gewalt – wer heute Gleichstellungsarbeit macht, muss mit Widerstand rechnen. Das zeigt eine neue Erhebung der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen, die gemeinsam mit der Amadeu Antonio Stiftung entstanden ist. Befragt wurden 351 kommunale Gleichstellungsbeauftragte aus ganz Deutschland.
Die Ergebnisse sind alarmierend: 95 Prozent der Befragten sehen ihre Arbeit durch antidemokratische Entwicklungen bedroht, drei Viertel davon sogar stark oder sehr stark. 63 Prozent berichten von konkreten antifeministischen Angriffen – von Einschüchterungsversuchen über strukturelle Sabotage bis hin zu Morddrohungen. 14 Prozent haben digitale Gewalt mit entmenschlichenden Inhalten erlebt, jede sechste Beauftragte schätzt ihre eigene Sicherheit als gefährdet ein. In rund 21 Prozent der Fälle führten die Angriffe bereits dazu, dass Projekte und Angebote eingeschränkt wurden.
Die Amadeu Antonio Stiftung dokumentierte für 2024 insgesamt 558 antifeministische Vorfälle – ein Anstieg von rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Durchschnittlich werden damit etwa zehn Fälle pro Woche gemeldet, fast 30 Prozent davon im digitalen Raum. Fachleute gehen von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.
Regional zeigen sich unterschiedliche Muster: In ostdeutschen Kommunen überlagern sich rechtsextreme Gewalt und Projektkürzungen, in westdeutschen Regionen dominieren Angriffe über Haushaltsdebatten und politische Gremien. In Süddeutschland sind besonders Themen rund um reproduktive Rechte Ziel massiver Anfeindungen.
Die Studie ist Grundlage einer Handreichung, die dabei helfen soll, antifeministische Angriffe zu erkennen, einzuordnen und ihnen professionell zu begegnen. Denn, so das Fazit der Autorinnen: Wer Gleichstellungsarbeit angreift, stellt nicht nur ein Fachthema infrage – sondern zentrale Grundlagen der Demokratie.